Das angepasste Selbst: Die Wahrheit hinter dem Lächeln

Das angepasste Selbst, Saskia John

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Das Angepasste Selbst entsteht in frühesten Kinderjahren. In unserer Kindheit sind wir von vielen verschiedenen Einflüssen umgeben, insbesondere von unseren Eltern, Großeltern oder anderen Betreuern. Diese Beziehungen prägen uns und beeinflussen unsere Art zu denken, zu fühlen und uns in der Welt zu verhalten. Manchmal können diese Erfahrungen innerhalb des engsten Familienkreises jedoch schmerzhaft sein und tiefe Ängste verursachen. Solche Erfahrungen hinterlassen ein verletztes Kind und können zu einer Anpassungsstrategie führen, die später unser Erwachsenenleben stark beeinflusst.

Das verletzte innere Kind: Kindheitserfahrungen und Emotionen

Das innere Kind repräsentiert die unverarbeiteten Emotionen und Traumata aus unserer Kindheit. Wenn ein Kind mit dominanter-aggressiver oder anderweitig harter Energie seitens der Eltern konfrontiert oder von ihnen vernachlässigt wird, fühlt es sich aufgrund seiner Abhängigkeit von den Erwachsenen schnell in seinem Leben bedroht. Das führt zu existenzieller Angst, die für ein Kind so überflutend sein kann, dass es einen Schutzmechanismus entwickelt. Das Kind bewältigt die Angstwelle, indem es sich vom Fühlen abkoppelt. Es teilt sich in zwei Anteile auf.

Ohne einen unterstützenden Erwachsenen, der das Kind in seiner Angst auffängt und ihm Sicherheit vermittelt, zieht es sich – je nach Intensität der Angst – mehr oder weniger tief in sein inneres Schneckenhaus zurück, bis es weniger und im Extremfall nichts mehr fühlt. Vor dem Schneckenhaus steht der emotional entkoppelte Anpasser-Teil wie ein Wachhund vor seiner Hütte, der zum einen den emotionalen Teil, der in der Hütte (oder Schneckenhaus) im Rückzug sitzt, schützen möchte. Zugleich will er sich selbst vor den starken Gefühlen schützen und diese nie wieder erleben.

Anpassung: Eine Strategie zur Abwehr von existenzieller Angst

Der Anpasser ist daher eine unbewusste Strategie, die das Kind entwickelt, um überwältigende Gefühle in Schach zu halten. In der Anpassung erfüllt es bestimmte Erwartungen, die seitens Erwachsener verbal oder energetisch an das Kind herangetragen wurden. Es folgt also fremden Impulsen, statt den eigenen.

Die Anpassung ist ein Überlebensmechanismus, um überwältigende Gefühle wie Angst, Scham oder Ekel abzuwehren. So schützt der Anpasser seine Kern-Energie, indem er den Ausdruck seiner wahren Gefühle verhindert. Die Verdrängung von Gefühlen führt dazu, dass weniger oder im Extremfall gar keine Gefühle mehr wahrgenommen werden, was jedoch auf Kosten der Authentizität geht.

Das Angepasste Selbst – Merkmale

Rechtfertigung, Verteidigung und Vergleiche

Wichtig ist zu verstehen, dass der Anpasser unbewusst handelt und oft schwer zu erkennen ist. Es gibt jedoch einige Merkmale, die auf seine Aktivität hinweisen.

Wenn wir uns als Erwachsene plötzlich in einer Situation wiederfinden, in der wir uns rechtfertigen oder verteidigen, ist dies ein Anzeichen dafür, dass wir nicht mehr in unserem Erwachsenen-Ich sind, sondern bereits in unserem Überlebensmechanismus gefangen sind. Der Anpasser hat die Kontrolle übernommen und wir reagieren aus einer kindlichen Perspektive heraus.

Ein weiteres Kennzeichen der Anpassungsenergie ist der ständige Vergleich mit anderen Menschen. Dieses Verhalten kann zum Beispiel auf Situationen in der Kindheit basieren, in denen wir häufig mit anderen verglichen wurden. In solchen Momenten haben wir (unbewusst) gelernt, dass wir, um unsere Bedürfnisse erfüllt zu bekommen und gemocht zu werden, gut sein und die Zustimmung anderer erhalten müssen. Dieses Muster setzt sich oft im Erwachsenenalter fort, wenn wir uns immer noch mit anderen vergleichen und uns selbst mit unrealistischen Maßstäben messen.

Es gibt viele weitere Merkmale für angepasstes Verhalten, die ich in einer Liste zusammengefasst habe. Hier kannst du dir die Liste mit den 20 wichtigsten Kennzeichen des angepassten Selbst herunterladen.

Das angepasste Selbst, der Anpasser

5 gravierende Auswirkungen des Anpassers auf lange Sicht

In der Kindheit war unsere Fähigkeit, sich anzupassen, sehr hilfreich. Das hat uns in manchen Momenten vor einer emotionalen Überwältigung bewahrt. Wenn wir die kindliche Überlebensstrategie jedoch im erwachsenen Alter fortführen, hat das enorme Konsequenzen für alle Bereiche unseres Lebens, da das angepasste Selbst eine Verzerrung unseres wahren Wesens ist.

Indem wir unsere authentischen Gefühle unterdrücken und versuchen, den Erwartungen anderer gerecht zu werden, verleugnen wir unsere wahre Identität. Wir verlieren den Kontakt zu unseren eigenen Bedürfnissen, Wünschen und Träumen. Das kann zu einem Gefühl der Leere, des Unwohlseins und der Unzufriedenheit führen.

Verlust der eigenen Identität: Das angepasste Selbst führt dazu, dass wir uns von unseren wahren Bedürfnissen und Wünschen entfremden. Wir verlieren den Kontakt zu unserer eigenen Identität und leben stattdessen nach den Erwartungen anderer. Dadurch kann ein Gefühl der Leere und Langeweile sowie der Unsicherheit und Unzufriedenheit entstehen.

Mangelnde Selbstakzeptanz und Selbstliebe: Durch die ständige Anpassung an die Erwartungen anderer verlieren wir den Glauben an uns selbst und beginnen, uns selbst abzulehnen. Wir suchen ständig nach äußerer Bestätigung und Anerkennung, da wir uns innerlich nicht akzeptieren und lieben können. Dies führt zu einem anhaltenden Gefühl der Unzulänglichkeit und des Selbstzweifels.

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Einschränkung persönlicher Entfaltung und Potenzial: Das angepasste Selbst verhindert, dass wir unsere eigenen Talente und Fähigkeiten voll ausschöpfen. Wir richten uns nach den Erwartungen anderer und unterdrücken unsere einzigartigen Eigenschaften. Dadurch werden unsere persönliche Entfaltung und unser individuelles Potenzial stark eingeschränkt.

Beziehungsprobleme und fehlende Authentizität: Das angepasste Selbst führt oft zu oberflächlichen Beziehungen, da wir uns nicht authentisch zeigen können. Wir versuchen, anderen zu gefallen und uns anzupassen, anstatt uns selbst zu sein. Dies kann zu Problemen in zwischenmenschlichen Beziehungen führen, da es schwer wird, wahre Verbindung und echte Nähe herzustellen.

Körperliche und psychische Auswirkungen: Die langfristige Anpassung an die Erwartungen anderer kann sich auch auf unsere körperliche und psychische Gesundheit auswirken. Der ständige innere Stress und die damit verbundene Anspannung, die mit dem Verleugnen unserer wahren Gefühle einhergeht, können zu körperlichen Beschwerden verschiedenster Art führen.

Anhand dieser Ausführungen wird deutlich, wie das angepasste Selbst langfristig unsere Lebensqualität und unser Wohlbefinden beeinflussen kann. Es ist wichtig, sich dieser Auswirkungen bewusst zu werden und Schritte zu unternehmen, um ein authentisches und erfülltes Leben zu führen. Dies kann den Prozess der Heilung, der Selbstakzeptanz und der Selbstliebe beinhalten, um die negativen Folgen des angepassten Selbst zu überwinden.

Auf dem Weg zur Transformation: Heilung, Selbstfürsorge und Authentizität für ein erfülltes Leben

Bewusstwerdung, Heilung und Selbstverwirklichung durch die Verbindung zum inneren Kind

Um das angepasste Selbst zu überwinden und zu einem authentischen Leben zurückzufinden, ist es wichtig, sich der eigenen Kindheitserfahrungen bewusst zu werden und sie zu verarbeiten. Dies erfordert oft professionelle Hilfe, wie zum Beispiel eine Therapie, um traumatische Ereignisse anzugehen und die verletzten Teile des inneren Kindes zu heilen.

Neben der Heilung des Inneren Kindes beinhaltet der Heilungsprozess auch Selbst-Erforschung und Selbst-Reflexion. Der Prozess erfordert Zeit, Geduld und Mitgefühl mit sich selbst, um

    • sich von selbstauferlegtem Druck und unrealistischen Erwartungen zu befreien,
    • uns selbst zu akzeptieren und zu lieben, so wie wir sind,
    • und uns von dem Bedürfnis nach externer Bestätigung und Anerkennung zu lösen.

Das angepasste Selbst wandeln durch Selbstfürsorge und Selbstakzeptanz

Selbstfürsorge und Selbstakzeptanz spielen eine entscheidende Rolle bei der Transformation des angepassten Selbst. Indem wir uns selbst liebevoll umsorgen und uns so akzeptieren, wie wir sind, schaffen wir die Grundlage für ein gesundes Selbstwertgefühl und persönliches Wachstum.

Die Praxis der Selbstfürsorge ermöglicht es uns, unsere Bedürfnisse zu erkennen und ihnen angemessen nachzukommen, sei es durch Ruhepausen, gesunde Ernährung oder die Pflege unserer emotionalen und körperlichen Gesundheit. Gleichzeitig erfordert Selbstakzeptanz, dass wir uns von unrealistischen Erwartungen und selbstkritischen Gedanken befreien und uns mitfühlend und verständnisvoll behandeln. Indem wir uns erlauben, Fehler zu machen und uns selbst zu vergeben, öffnen wir uns für persönliche Veränderungen und können das Angepasste Selbst hinter uns lassen. Letztendlich führt die Kultivierung von Selbstfürsorge und Selbstakzeptanz zu einem authentischeren und erfüllteren Leben, in dem wir uns selbst wertschätzen und unsere eigenen Bedürfnisse und Ziele ernst nehmen.

Es ist hilfreich, wenn du Selbstfürsorge-Rituale in deinen Alltag integrierst, um dich mit deinen eigenen Bedürfnissen zu verbinden und dir selbst Gutes zu tun. Hier sind einige Beispiele:

Meditation oder Achtsamkeitsübungen: Setze dich jeden Tag für einige Minuten in Stille, konzentriere dich auf deinen Atem oder beobachte deine Gedanken. Dies hilft dir, im gegenwärtigen Moment zu sein und Stress abzubauen.

Körperliche Bewegung: Nimm dir Zeit für körperliche Aktivitäten, die dir Freude bereiten, sei es Joggen, Yoga, Tanzen oder eine andere Sportart. Bewegung fördert nicht nur deine körperliche Gesundheit, sondern auch dein Wohlbefinden und deine Energie.

Entspannungsrituale: Schaffe bewusst Zeit für Entspannung und Erholung. Dies kann durch ein warmes Bad, das Lesen eines Buches, das Hören von beruhigender Musik oder das Praktizieren von Atemtechniken wie tiefes Ein- und Ausatmen geschehen.

Selbstpflege: Verwöhne dich selbst mit kleinen Alltagsritualen, die dir Freude bereiten. Das kann ein entspannendes Gesichtsmasken-Ritual, das Auftragen von Körperpflegeprodukten, das Lackieren der Nägel oder das Einnehmen einer Tasse Tee sein.

Soziale Verbindungen: Nimm dir bewusst Zeit für zwischenmenschliche Beziehungen und pflege soziale Kontakte. Triff dich mit Freunden, mit der Familie oder mit anderen Menschen, die dir wichtig sind, für gemeinsame Aktivitäten oder Gespräche. Soziale Unterstützung ist ein wichtiger Teil der Selbstfürsorge.

Diese Rituale dienen als Anregungen. Probiere sie gerne aus und finde für dich heraus, was für dich persönlich am besten funktioniert und dir Freude bereitet.

Mut zur Authentizität: Dir selbst treu bleiben

Der innere Weg zur Wandlung erfordert auch den Mut,

  • authentisch zu sein,
  • deine wahren Gefühle auszudrücken,
  • dich von den Erwartungen anderer zu lösen
  • und deine eigenen Werte und Überzeugungen zu leben.

Das mag anfangs ungewohnt oder beängstigend sein, aber mit jedem Schritt auf dem inneren Weg kommst du dir ein Stück näher.

Individuelle Wege, um das angepasste Selbst zu überwinden

Indem du dich mit deinem verletzten inneren Kind verbindest und als Erwachsener fürsorglich für dein inneres Kind präsent bist, transformiert sich mit der Zeit die Angst des Kindes in Vertrauen. Das führt dazu, dass das Kind sich immer weniger anpasst und sich zunehmend authentischer ausdrückt. Ganz natürlich, von innen heraus. Es ist ein Weg, der in ein erfülltes, authentisches Leben führt. Die innere Arbeit und die Hingabe an den Wandlungsprozess führt zu Selbstakzeptanz, Selbstvertrauen und innerem Frieden. Das ist aus meiner Sicht Goldwert.

Es ist mir noch wichtig anzumerken, dass jeder Mensch seine eigene einzigartige Reise hat und dass nicht jeder Anpassungsmechanismus in gleichem Maße ausgeprägt ist. Einige Menschen mögen sich stärker anpassen als andere, aber es ist nie zu spät, den Prozess der Heilung und der Rückkehr zu unserem wahren Selbst zu beginnen. Was immer du auf deiner Innenreise erfährst: Es ist immer dein ganz individueller Weg, den du mit deiner Kompetenz und in deinem Tempo gestaltest.

Das angepasste Selbst, Saskia John


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Saskia John

Über die Autorin:

Saskia John wurde in der ehemaligen DDR geboren und studierte dort Veterinärmedizin. Nach der Wende absolvierte sie eine Ausbildung zur Heilpraktikerin. Seit 1994 arbeitet sie in ihrer eigenen Praxis. Sie unterstützt Menschen auf ihrem persönlichen Weg zu Heilung und spirituellem Wachstum.
Dabei greift sie auf langjährige Erfahrung in der Trauma Heilung, Inneren-Kind-Arbeit und in der Begleitung von Dunkelretreat-Prozessen zurück. Ihre Arbeit ist geprägt von Reisen nach China und Japan, die sie mit fernöstlichen Heilmethoden in Berührung kommen lassen.
Das Dunkelretreat ist ihr Herzens- und Forschungsprojekt. Sie selbst verbrachte insgesamt 62 Tage in absoluter Dunkelheit. „26 Tage Dunkelheit – Ein Bewusstseins-Experiment“ ist ihr zweites Buch.

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