Regression: Die psychologische Rückkehr in frühere Entwicklungsstadien

Die Macht der Regression, Saskia John

Inhalt

Einleitung

Die menschliche Psyche ist ein komplexes Zusammenspiel von Mechanismen und Prozessen, die uns auf vielfältige Weise beeinflussen. Einer dieser Mechanismen, der in der Psychologie eine bedeutende Rolle spielt, ist die Regression. Das bedeutet, dass die betroffene Person

  • in ihrem Denken,
  • ihrem Verhalten,
  • ihrem sprachlichen Ausdruck
  • oder ihrer Körperhaltung


zu einem früheren Entwicklungsstadium zurückkehrt. Sie zeigt also ein für ihr Alter untypisches Verhalten, das jedoch in der früheren Altersgruppe, in der sie weniger Autonomie und Selbstständigkeit hatte (z. B. im Teenager-, Vorschul-, Kleinkind- und Säuglingsalter), normal war.

Da stellt sich die Frage:

Aus welchem Grund sollte jemand in ein früheres Entwicklungsstadium zurückkehren?

Das Motiv dazu ist dem Betroffenen meist unbekannt. Oft ist manchen Erwachsenen zudem nicht bewusst, dass das eigene Verhalten eher kindlich ist.


Ursachen für die Regression

Die psychologische Regression ist der unbewusste Versuch, tiefliegende Ängste in Schach zu halten. Dieser innere Rückfall in die Vergangenheit ist also eine Bewältigungsstrategie, um

  • sich emotional zu regulieren,
  • angstgeladene Spannungen weniger zu fühlen und
  • der gefühlten Bedrohung aus dem Weg zu gehen.


Die Regression kann sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen auftreten und wird oft durch äußere Faktoren wie Angst, Überlastung oder durch das Berühren unverarbeiteter Traumata ausgelöst.

 

Regression, Saskia John

Anzeichen für eine Regression

Fällt jemand in ein früheres Entwicklungsstadium zurück, können die Anzeichen dafür sehr deutlich oder auch weniger klar sein. Hier einige Beispiele:

  • sich zusammenzurollen wie ein Fötus im Mutterleib
  • verfallen in jugendliche, kindliche oder kleinkindliche Sprache
  • impulsive Handlungen, wenn Emotionen nicht kontrolliert werden können
  • Suche nach einer Autoritätsperson, die Entscheidungen abnehmen soll.


Weitere Anzeichen sind in den nachfolgenden Punkten benannt.

Regression

Regression bei Kindern

In Phasen der Veränderung und Unsicherheit können Kinder sich schnell überfordert fühlen. Fehlt der emotionale Halt und Schutz sowie die Unterstützung durch die Eltern, versucht das Kind sich allein zu regulieren, indem es unbewusst zu bewährten Überlebensstrategien (Verhaltensweisen) aus früheren Entwicklungsstufen zurückkehrt. 

Je älter das Kind ist, umso deutlicher wird eine Regression sichtbar.

Auslösende Faktoren

Dieser innere Rückfall kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, wie beispielsweise

  • den Eintritt in einen neuen Lebensabschnitt,
  • die Geburt eines Geschwisters,
  • den Verlust eines geliebten Menschen,
  • durch den Beginn des Kindergarten- oder Schulalltags,
  • die Trennung der Eltern,
  • starke Ängste,
  • Trigger, die unverdautes Trauma berühren.


In diesem Sinne ist die Regression ein Schutzmechanismus, der das Kind vor emotionaler Überwältigung bewahrt. Zugleich können Körpersymptome ausdrücken, was das Kind weder vom Bewusstsein her durchschauen noch sprachlich formulieren kann.

Im folgenden habe ich einige Regressionsanzeichen benannt, die das Geschehen verdeutlichen mögen:

  • Einnässen und Bettnässen (oft Zeichen von unverarbeiteter Angst),
  • am Daumen nuckeln,
  • Wunsch nach einer Flasche,
  • wieder getragen werden wollen


Umgang mit regredierten Kindern

Für Eltern und Betreuer ist es wichtig, die Regression bei Kindern zu erkennen und einfühlsam darauf zu reagieren. Mit Geduld und Verständnis kann ein emphatischer Erwachsener einem Kind in solchen Momenten oder in länger andauernden Regressionsphasen Sicherheit, Halt und Geborgenheit bieten, sodass sich das kindliche Nervensystem in der emotional warmen Umgebung wieder herunter regulieren kann. Dadurch erhält das Kind eine hilfreiche Unterstützung,

  • um neue Entwicklungsschritte zu meistern,
  • bereits bestehendes Trauma in der nächsten Entwicklungsstufe zu integrieren
  • und gestärkt aus dieser Phase hervorzugehen.

Regression bei Erwachsenen

Bei Erwachsenen können Zeiten hoher Belastung, emotionaler Überforderung oder getriggertem unverarbeiteten Trauma die Auslöser für eine Regression sein.

Anzeichen

Das innere Zurückgehen in eine frühere Altersstufe kann sich bei Erwachsenen in verschiedener Weise äußern, beispielsweise durch

  • Flüchten in Tagträume,
  • abhängiges Verhalten und keinen eigenen Standpunkt haben,
  • keine Verantwortungsübernahme für das eigene Verhalten,
  • Schwierigkeiten mit der Blasen- oder Darmkontrolle,
  • ein vermehrtes Verlangen nach Unterstützung, Nähe und Trost von anderen,
  • die Wiederbelebung von Verhaltensmustern, die in früheren Lebensphasen als Schutzmechanismen dienten, z. B.
    • eine vulgäre aggressive Sprache,
    • zurückkehren zu kindlichen Sprachmustern,
    • bockig-eingeschnappter Rückzug,
    • impulsive Rechtfertigen oder Verteidigen von Handlungen,
    • ängstliches oder stures Zurückziehen von der Kommunikation,
    • unbeherrschbare Wutanfälle.


Die Regression bei Erwachsenen ist meistens unbewusst und kann sowohl vorübergehend als auch langfristig auftreten.

Für professionelle Therapeuten bietet die Regression die Möglichkeit, unbewusste Motivationen und ungelöste Konflikte im Klienten zu erkennen. Eine angemessene Unterstützung und therapeutische Begleitung können dabei helfen, die automatisierten unbewussten kindlichen Bewältigungsstrategien zu erkennen, das Innere Kind nachzunähren und hilfreichere Strategien zur Bewältigung emotional schwieriger Situationen zu entwickeln. Das unterstützt die Reifung der Persönlichkeit, sodass das Potenzial des erwachsenen Menschen in einem volleren Umfang im Leben ausgedrückt werden kann.

 

Fazit

Eine Regression zu erkennen ist sowohl für Einzelpersonen als auch für ihre Umgebung von Bedeutung. Durch das Verständnis der Anzeichen und Symptome kann der Regression mit Empathie und Unterstützung begegnet und eine Umgebung geschaffen werden, die Heilung und inneres Wachstum fördert. Regression erinnert daran, dass die menschliche Psyche komplex und vielschichtig ist und dass ein Individuum auf seiner Reise zu sich selbst manchmal frühere Entwicklungsstadien nochmals aufsuchen muss, um in sein inneres Gleichgewicht zurückkehren zu können und innere Stabilität zu erlangen.

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Saskia John

Über die Autorin:

Saskia John wurde in der ehemaligen DDR geboren und studierte dort Veterinärmedizin. Nach der Wende absolvierte sie eine Ausbildung zur Heilpraktikerin. Seit 1994 arbeitet sie in ihrer eigenen Praxis. Sie unterstützt Menschen auf ihrem persönlichen Weg zu Heilung und spirituellem Wachstum.
Dabei greift sie auf langjährige Erfahrung in der Trauma Heilung, Inneren-Kind-Arbeit und in der Begleitung von Dunkelretreat-Prozessen zurück. Ihre Arbeit ist geprägt von Reisen nach China und Japan, die sie mit fernöstlichen Heilmethoden in Berührung kommen lassen.
Das Dunkelretreat ist ihr Herzens- und Forschungsprojekt. Sie selbst verbrachte insgesamt 62 Tage in absoluter Dunkelheit. „26 Tage Dunkelheit – Ein Bewusstseins-Experiment“ ist ihr zweites Buch.

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