„Du kannst schlau reden!“: Wie wir das Selbstbild unserer Kinder prägen

Du kannst schlau reden!

Inhalt

Einführung

Eine unterstützende und respektvolle Kommunikation mit Kindern sichert ihr emotionales Wohlbefinden.

Es ist wichtig, dass Erwachsene sich dessen bewusst sind, wie ihre Worte die Selbstwahrnehmung und das emotionale Wohlbefinden von Kindern beeinflussen. 

In diesem Beitrag möchte ich daher gezielt auf die Aussagen “Du kannst schlau reden!” und “Wenn du nicht mal das schaffst, wirst du nie erfolgreich sein.” eingehen und Alternativen für eine bewusste und einfühlsame Kommunikation aufzeigen. 

„Du kannst schlau reden!“

Die Reaktion von Erwachsenen auf kluge und ehrliche Bemerkungen von Kindern spielt eine zentrale Rolle für die Entwicklung ihres Selbstbewusstseins und ihrer Offenheit, ihre Gedanken zu teilen.

Die Aussage “Du kannst schlau reden!” kann je nach Kontext und Tonfall verschiedene versteckte Botschaften an das Kind enthalten: Sie kann Anerkennung für eine intelligente Äußerung ausdrücken oder Überraschung darüber, dass das Kind etwas Erwachsenes gesagt hat.

Je nach Kontext und Tonfall kann die Aussage “Du kannst schlau reden!” aber auch verschiedene versteckte Negativ-Botschaften an das Kind enthalten, die die Ernsthaftigkeit oder Bedeutung der Äußerung des Kindes herunterspielt:

Herabsetzung der Meinung des Kindes

Der Erwachsene könnte damit implizieren, dass die Meinung des Kindes nicht ernst genommen wird oder dass das Kind versucht, klüger zu erscheinen, als es seiner Meinung nach ist.

Ablehnung der Aussage des Kindes

„Du kannst schlau reden!“ kann auch bedeuten, dass der Erwachsene etwas, was das Kind gesagt hat, nicht akzeptiert oder für nicht relevant hält.

Belustigung, Spott oder Sarkasmus

„Du kannst schlau reden!“ kann als dritte Möglichkeit auch Belustigung oder Sarkasmus vermitteln.

In einem bestimmten Tonfall ausgesprochen, kann die Aussage als spöttische Reaktion auf etwas verstanden werden, was das Kind gesagt hat, möglicherweise weil es unerwartet intelligent oder reif für sein Alter erscheint.

Druck zur Anpassung

„Du kannst schlau reden!“ kann auch Druck zur Anpassung vermitteln. Der Erwachsene könnte das Kind subtil dazu drängen, sich anzupassen und weniger direkt oder überzeugend zu sprechen, um nicht als “klug” angesehen zu werden.

Insgesamt kann diese Aussage dazu führen, dass das Kind sich unverstanden und nicht ernst genommen fühlt, was zu Unsicherheit, Angst oder Frustration führen kann.

Daher ist es wichtig, dass wir Erwachsenen uns dessen bewusst sind, wie unsere Worte auf Kinder wirken können, und dass wir eine unterstützende und respektvolle Kommunikation mit ihnen pflegen.

Alternativen, was du statt “Du kannst schlau reden!” sagen kannst

Hier sind einige alternative Sätze, die anstelle von “Du kannst schlau reden!” verwendet werden können:

“Das hast du gut erklärt!”

“Du hast wirklich interessante Gedanken dazu.”

“Du denkst darüber wirklich gründlich nach.”

“Deine Sichtweise ist sehr durchdacht.”

“Es ist toll, wie du deine Gedanken ausdrückst.”


Diese Sätze ermutigen das Kind und erkennen seine Gedanken und Meinungen an. Sie sind so formuliert, dass sie keinen negativen Unterton oder Sarkasmus implizieren, wenn sie in einem unterstützenden und respektvollen Ton ausgesprochen werden.

Fazit

Ehrliche und aus dem Herzen kommende warmherzige Aussagen ermutigen das Kind und erkennen seine Gedanken und Meinungen an, ohne einen negativen Unterton oder Sarkasmus zu implizieren.

Es ist wichtig, dass Erwachsene sensibel auf kluge Äußerungen antworten und das Selbstwertgefühl des Kindes stärken, indem sie seine Gedanken und Meinungen ernst nehmen und wertschätzen.

“Wenn du nicht mal das schaffst, wirst du nie erfolgreich sein.”

Die Aussage „Wenn du nicht mal das schaffst“ impliziert, dass das Kind etwas scheinbar Einfaches nicht bewältigt hat und deshalb später nie erfolgreich sein kann.

Solche Zukunftsaussagen können das Selbstwertgefühl eines Kindes stark beeinträchtigen und zu Angst und Unsicherheit führen, die inneren Druck und Enge erzeugen. Anstatt das Kind zu ermutigen, führt die Aussage dazu, dass es sich minderwertig fühlt und Angst vor zukünftigen Herausforderungen entwickelt.

Kinder nehmen alles wörtlich und glauben, was Erwachsene sagen! Sie erkennen nicht, dass Erwachsene 20, 30 oder mehr Jahre an Übung und Lebenserfahrung hinter sich haben und deshalb vieles leichter, schneller und anders bewältigen können.

Aus der Aussage "Wenn du nicht mal das schaffst, …“ kann im Kind der fatale Glaubenssatz „Ich schaffe das nie!“ entstehen, der wiederum Angst vor der Zukunft und vor dem Erwachsenwerden hervorrufen und das Selbstbewusstsein blockieren kann. 

Kinder brauchen Raum und Zeit, um zu wachsen und zu lernen – ohne den Fokus auf Perfektion und eine abstrakte Zukunft, die sie weder absehen noch erfassen können

Daher ist es wichtig, dass Erwachsene eine unterstützende und respektvolle Kommunikation pflegen, das Kind in seinen inneren Impulsen unterstützen und es durch Momente der Angst sanft und verständnisvoll begleiten und ermutigen.

Das vollständige Video zur Aussage findest du hier: 

Worte mit Wirkung (6): “Wenn du nicht mal das schaffst, wirst du nie erfolgreich sein!”

Alternativen, was du statt “Wenn du nicht mal das schaffst, …!” sagen kannst

Die druckauslösende Botschaft “Wenn du nicht mal das schaffst, …!” kann durch eine liebevolle und unterstützende Kommunikation ersetzt werden, die das Kind ermutigt und ihm hilft, Herausforderungen zu bewältigen. Hier sind einige Alternativen: 

Zeige Verständnis und biete Unterstützung an

„Ich sehe, dass du Schwierigkeiten bei … (Aufgabe) … hast. Wollen wir zusammen überlegen, wie du das lösen könntest?“

„Das (Aufgabe, Herausforderung) scheint gerade wirklich schwer für dich zu sein. Wie kann ich dir helfen?“

Ermutige und bestärke

„Es ist okay, wenn es nicht beim ersten Mal klappt. Übung macht den Meister.“

„Jedem gelingt mal etwas nicht so, wie wir es gerne hätten. Indem du es weiter versuchst, wird es dir mit jedem Mal immer leichter fallen. Und du kannst etwas daraus lernen.

Biete konkrete Hilfe an

„Was genau fällt dir schwer? Vielleicht können wir es Schritt für Schritt angehen.“

„Wollen wir gemeinsam nach einer Lösung suchen? Ich bin hier, um dich zu unterstützen.

Bestätige die Anstrengung – und nicht nur das Ergebnis

“Ich sehe die Mühe, die du dir gibst. Das ist großartig.“

„Es ist toll, dass du es versucht hast. Wir können zusammen weitermachen, wenn du möchtest.“

Fördere eine wachstumsorientierte Einstellung

„Manchmal brauchen wir mehrere Anläufe, um etwas zu meistern. Probiere aus, ob das etwas für dich ist – und wenn du es schaffen möchtest, wirst du es auch schaffen.“

„Jede Herausforderung ist eine Gelegenheit zu lernen. Manchmal ist es jedoch auch wichtig, nein zu etwas/zu den Wünschen einer anderen Person zu sagen. Beides ist wertvoll.“

Fazit

Durch eine liebevolle und unterstützende Kommunikation kannst du (d)ein Kind unterstützen und ermutigen – und ihm gleichzeitig die Bedeutung von Anstrengung und dem Lernprozess vermitteln, ohne dabei Druck und Angst vor dem Versagen zu erzeugen.

Inhalt

Saskia John

Über die Autorin:

Saskia John wurde in der ehemaligen DDR geboren und studierte dort Veterinärmedizin. Nach der Wende absolvierte sie eine Ausbildung zur Heilpraktikerin. Seit 1994 arbeitet sie in ihrer eigenen Praxis. Sie unterstützt Menschen auf ihrem persönlichen Weg zu Heilung und spirituellem Wachstum.
Dabei greift sie auf langjährige Erfahrung in der Trauma Heilung, Inneren-Kind-Arbeit und in der Begleitung von Dunkelretreat-Prozessen zurück. Ihre Arbeit ist geprägt von Reisen nach China und Japan, die sie mit fernöstlichen Heilmethoden in Berührung kommen lassen.
Das Dunkelretreat ist ihr Herzens- und Forschungsprojekt. Sie selbst verbrachte insgesamt 62 Tage in absoluter Dunkelheit. „26 Tage Dunkelheit – Ein Bewusstseins-Experiment“ ist ihr zweites Buch.

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