Bleiben oder Aushalten? Warum dieser Unterschied alles verändert

Frau in zwei Zuständen zwischen Aushalten und innerer Ruhe, symbolisiert den Unterschied zwischen Anspannung und Dasein im Nervensystem - Saskia John

Inhalt

Einführung

Es gibt schwierige Situationen im Leben, in denen man äußerlich einfach weitermacht.

Man bleibt im Gespräch, in einer Konfliktsituation, in einer Überforderung oder in einem inneren emotionalen Druck. Und trotzdem funktioniert man weiter, sitzt es aus oder hält durch.

Von außen wirkt das oft ruhig und kontrolliert.
Im Inneren kann es sich jedoch ganz anders anfühlen: angespannt, eng und unter Druck.

Genau hier entsteht eine zentrale Frage.
Bin ich in solchen Momenten wirklich bei mir und im Kontakt mit dem, was gerade passiert?
Oder halte ich nur aus und versuche irgendwie durchzukommen?

Und genau dieser Unterschied zwischen echtem Dasein und bloßem Aushalten verändert die gesamte innere Erfahrung.

Wenn Bleiben sich wie Druck anfühlt

In herausfordernden Momenten entsteht schnell die Vorstellung, dass Bleiben automatisch bedeutet, bei sich zu sein: nicht ausweichen, nicht flüchten, einfach da bleiben.

Doch genau hier zeigt sich oft die erste Verwechslung.
Das äußere Bleiben ist da, aber innerlich entsteht Druck statt Kontakt.

Der Körper steht unter Spannung, innerlich zieht sich alles zusammen.
Das ist oft ein Zeichen dafür, dass das Nervensystem nicht in ruhigem Kontakt ist, sondern in einer Schutzreaktion bleibt.

Begleitet wird das häufig von einem stillen inneren Satz:
Augen zu und durch.

Was nach Ruhe aussieht, ist in Wirklichkeit Anspannung.
Kein echtes Dasein, sondern Aushalten.

Woran sich Aushalten im Alltag zeigt

Aushalten fühlt sich selten wie Aushalten an.
Es wirkt eher wie Stärke, vor allem dann, wenn es zur Gewohnheit geworden ist.

Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich ein anderes Bild:
Der Atem wird flach, der Blick enger, die Muskeln spannen sich an.

Im Inneren läuft oft dieser Gedanke:
Ich muss da durch.

Auch dann, wenn ein Teil längst aus der Situation heraus möchte oder eigentlich mehr inneren Kontakt bräuchte.

Aushalten ist oft kein bewusster Entschluss, sondern ein altes Muster.

Ein innerer Zustand, der sich früh entwickelt hat, um schwierige oder überfordernde Situationen zu bewältigen.

Oft entsteht er in frühen Lebensphasen, in denen Gefühle nicht gut begleitet wurden und man gelernt hat, Spannung eher festzuhalten, als sie zu verarbeiten.

Doch während äußerlich alles stabil wirkt, ist innerlich der Kontakt zu sich selbst oft eingeschränkt.

Wie sich echtes Dasein im Körper zeigt

Dasein wirkt von außen oft unspektakulär.
Es hat nichts mit Aushalten oder Zusammenreißen zu tun.

Stattdessen entsteht eher ein stilles Gefühl von:
Ich bin hier. Ich bleibe bei mir und in Kontakt mit dem Moment.

Im Körper wird das schnell spürbar.
Der Atem wird ruhiger, der Druck lässt nach, es entsteht mehr Raum.

Wesentlich ist hier der Unterschied:
Es wird kein innerer Widerstand mehr gegen das, was da ist, aufrechterhalten.

Nicht, weil die Situation leichter wird, sondern weil mehr innerer Kontakt möglich ist.

Der innere Unterschied zwischen Kontakt und Widerstand

Der Unterschied zeigt sich nicht im äußeren Verhalten, sondern in der inneren Qualität des Erlebens.

Aushalten bedeutet, in der Situation zu bleiben und gleichzeitig innerlich dagegen anzuspannen oder sie wegzudrücken.

Dasein bedeutet, in Kontakt zu bleiben mit dem, was gerade da ist, ohne sich innerlich davon zu trennen.

Im Aushalten entsteht Enge und Distanz zu sich selbst.
Im Dasein entsteht Verbindung und mehr innere Präsenz.

Dieses Beispiel mag das verdeutlichen:

Zwei Menschen sitzen im selben Gespräch.
Beide sagen nichts und bleiben ruhig.

Die eine Person ist innerlich angespannt, hält die Situation aus und wartet, dass es vorbei ist.
Die andere Person spürt sich selbst, nimmt wahr, was im Moment da ist, und bleibt innerlich in Kontakt.

Von außen ist kein Unterschied sichtbar.
Innerlich sind es zwei völlig unterschiedliche Zustände.

Warum dieser Unterschied oft übersehen wird

Gerade in intensiven Situationen wird dieser Unterschied oft nicht bemerkt.

Viele bleiben in schwierigen Momenten und gehen davon aus, dass sie damit automatisch bei sich sind.
Doch innerlich läuft weiterhin ein Stressprogramm.

Das Nervensystem bleibt in Anspannung, auch wenn äußerlich alles funktioniert.
Dann wird Funktionieren mit innerer Stabilität verwechselt.

Hier beginnt eine andere Form von innerer Aufmerksamkeit:
Nicht mehr durchhalten oder kontrollieren, sondern genauer wahrnehmen, wie es sich innerlich wirklich anfühlt.

Fazit – Wenn es plötzlich klar wird

Bleiben allein bedeutet noch nicht, wirklich bei sich zu sein.
Und Aushalten ist nicht dasselbe wie Dasein.

Der entscheidende Unterschied liegt darin, ob innerlich Kontakt möglich ist oder ob Spannung aufrechterhalten wird.

Von außen sehen beide Zustände oft gleich aus.
Im eigenen Erleben können sie kaum unterschiedlicher sein.

Dort, wo innerer Kampf nachlässt, entsteht Raum.
Und genau in diesem Raum beginnt echtes Dasein.

Wenn du den Unterschied zwischen Bleiben und Aushalten  noch tiefer verstehen möchtest, schau dir das Video an.

Dort erkläre ich noch einmal anschaulich genau diesen Moment zwischen Aushalten und echtem Dasein.

🎥 Du bist nicht bei dir – dein Nervensystem überlebt nur

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Saskia John

Über die Autorin:

Saskia John wurde in der ehemaligen DDR geboren und studierte dort Veterinärmedizin. Nach der Wende absolvierte sie eine Ausbildung zur Heilpraktikerin. Seit 1994 arbeitet sie in ihrer eigenen Praxis. Sie unterstützt Menschen auf ihrem persönlichen Weg zu Heilung und spirituellem Wachstum.
Dabei greift sie auf langjährige Erfahrung in der Trauma Heilung, Inneren-Kind-Arbeit und in der Begleitung von Dunkelretreat-Prozessen zurück. Ihre Arbeit ist geprägt von Reisen nach China und Japan, die sie mit fernöstlichen Heilmethoden in Berührung kommen lassen.
Das Dunkelretreat ist ihr Herzens- und Forschungsprojekt. Sie selbst verbrachte insgesamt 62 Tage in absoluter Dunkelheit. „26 Tage Dunkelheit – Ein Bewusstseins-Experiment“ ist ihr zweites Buch.

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