Aufrichtige Entschuldigung: Was sie ausmacht und warum sie wichtig ist

Die Kunst der aufrichtigen Entschuldigung - Saskia John

Inhalt

Einführung

“Entschuldigung. Oh, tut mir leid! Das wollte ich nicht! Ich war wirklich ein Idiot!” Solche Sätze kennt vermutlich jeder. Denn auf diese oder ähnliche Art werden oft Entschuldigungen ausgesprochen.

Entschuldigungen sind in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen von entscheidender Bedeutung, wenn uns ein Missgeschick oder ein Fehler passiert ist. Doch was macht eine aufrichtige Entschuldigung eigentlich aus?

Eine aufrichtige Entschuldigung ist ein Akt der Verantwortungsübernahme. - Saskia John

5 Elemente einer aufrichtigen Entschuldigung

Eine aufrichtige Entschuldigung ist mehr als nur Worte, die ausgesprochen werden, um einen Fehler zu beheben. Sie ist ein Akt der Verantwortungsübernahme und des Respekts gegenüber anderen.

Einsicht

Einsicht ist die Fähigkeit, einen eigenen Fehler oder ein Fehlverhalten zu erkennen und zu verstehen, warum es falsch war oder andere verletzt hat.

Diese Einsicht geht über die bloße Anerkennung des Fehlers hinaus und beinhaltet ein tiefes Verständnis für die Auswirkungen der eigenen Handlungen auf andere Personen oder auf die Situation insgesamt.

Eine aufrichtige Entschuldigung basiert oft auf dieser Einsicht, da sie zeigt, dass die Person wirklich verstanden hat, was falsch gelaufen ist, und bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und sich zu ändern.

Eine Entschuldigung, die aus einer tiefen Einsicht heraus gesagt wird, klingt aufrichtig, empathisch und reflektiert.

Reue

Reue ist das Gefühl von Bedauern und beinhaltet den Wunsch, den Schaden wiedergutzumachen. Sie geht oft mit der Einsicht in den Fehler einher.

Beispiel:

“Ich bereue zutiefst, was passiert ist und tue alles, um es wieder gut zu machen.”

Entschuldigung

Sich zu entschuldigen ist ein tiefer Wunsch des Herzens, wenn der Fehler erkannt und bereut ist.
Nach einer aufrichtigen Entschuldigung, die Einsicht und Verantwortungsübernahme beinhaltet, kann eine tiefere Ebene des Vertrauens und der Verbundenheit entstehen. Dies führt oft zu einer positiven Veränderung im Umgang miteinander und stärkt die Beziehung.

Beispiel:

Wenn ein Mensch einem anderen durch unbedachte Worte oder Handlungen Schmerz zugefügt hat, dann könnte gesagt werden:

• “Ich sehe, dass mein Verhalten dir gegenüber hart war und wie sehr ich dich verletzt habe. Es tut mir aufrichtig leid.”

• Oder:
„Ich erkenne, dass meine Handlung dich verletzt hat, und ich verstehe jetzt, wie sehr dich das beeinträchtigt hat. Es tut mir von Herzen leid, dass ich dir Schmerz zugefügt habe. Ich übernehme die volle Verantwortung für meinen Fehler und bin bereit, alles zu tun, um das wieder gut zu machen.”

• Oder:
“Nachdem ich über die Situation reflektiert habe, fiel mir auf, dass die Art, wie ich mit dir gesprochen habe, schuldzuweisend und überheblich war. Das war von meiner Seite aus weder einfühlsam noch fair dir gegenüber. Und das tut mir aufrichtig leid.“

Vermeide ein “Aber…”

Vermeide es, deine Entschuldigung mit einem “aber” zu relativieren. Ein einfaches “Es tut mir leid” reicht aus.

Wenn du deine Entschuldigung mit einem “aber” relativierst, bedeutet das im Wesentlichen, dass du die Verantwortung für dein Handeln teilweise auf andere abschieben oder deine Schuld mindern möchtest.

Das “aber” signalisiert oft eine Ausrede oder Rechtfertigung für dein Verhalten, was die Aufrichtigkeit und Effektivität deiner Entschuldigung in Frage stellen kann.

Beispiel:

“Es tut mir leid, dass ich dich verletzt habe, aber du hättest auch nicht so empfindlich reagieren müssen.” In diesem Fall versucht die Person, die Verantwortung für ihr Handeln abzuschwächen, indem sie die Schuld teilweise auf die Reaktion der anderen Person schiebt.

Eine Entschuldigung mit einem “aber” kann dazu führen, dass die Entschuldigung weniger glaubwürdig oder wirkungsvoll ist, da sie den Eindruck erwecken kann, dass die Person nicht wirklich bereit ist, die volle Verantwortung für ihre Handlungen zu übernehmen oder sich zu ändern.

5 Elemente einer aufrichtigen Entschuldigung: Einsicht, Reue, Entschuldigung, Verantwortungsübernahme, Verhaltensänderung. - Saskia John

Verantwortungsübernahme

Verantwortungsübernahme ist die Bereitschaft, die Konsequenzen des eigenen Handelns zu akzeptieren.

Beispiel:

“Ich übernehme die volle Verantwortung für meine Handlungen und ihre Auswirkungen.”

Biete eine Lösung an

Überlege, wie du den Fehler wieder gutmachen kannst und besprich deine Vorschläge mit der anderen Person.

Du kannst die andere Person auch fragen, wie du sie unterstützen kannst, was ihr gut tun würde oder was sie braucht, damit der Fehler bereinigt werden kann. 

Änderung des Verhaltens

Änderung meint die Absicht, sich zu ändern, sodass das Fehlverhalten in Zukunft nicht mehr oder immer weniger auftritt.

Vermeide Wiederholungen desselben Fehlers!

Eine Entschuldigung trägt nicht nur zur Heilung der Vergangenheit bei, sondern gestaltet auch die Zukunft. Zeige durch dein Verhalten, dass du aus deinem Fehler gelernt hast.

Beispiel:

“Ich schaue mir das tiefer an und löse das Problem in mir auf, sodass so etwas nicht wieder vorkommt. Gegebenenfalls nehme ich mir dafür Hilfe.”

Eine echte Entschuldigung wirkt wie eine Brücke, auf der wieder aufeinander zugegangen werden kann. - Saskia John

Warum ist eine aufrichtige Entschuldigung wichtig?

Mensch sein bedeutet, dass sogenannte Fehler immer wieder vorkommen. Daher ist die Fähigkeit, aufrichtig um Verzeihung zu bitten, von unschätzbarem Wert.

Eine echte Entschuldigung ist nicht nur ein Akt der Wiedergutmachung, sondern auch ein Schritt zur Heilung emotionaler Wunden und zur Wiederherstellung von Beziehungen.

Eine echte Entschuldigung wirkt wie eine Brücke, auf der wieder aufeinander zugegangen werden kann. Sie fördert Vertrauen, Respekt und Verständnis zwischen den Beteiligten.

Eine aufrichtige Entschuldigung schafft Frieden im Herzen und in unseren Beziehungen. Und da wir alle miteinander verbunden sind, trägt diese friedenschaffende Beziehungsarbeit auch zu mehr Frieden in der Welt bei.

Die Falle: Hölzerne Entschuldigungen

Abschließend seien noch fünf Beispiele für unaufrichtige Entschuldigungen genannt. Sie kommen recht häufig vor. Wenn du sie erkennst, fällst du nicht mehr darauf herein und kannst entsprechend handeln.

  1. Die Ausrede-Entschuldigung: “Es tut mir leid, aber es war nicht meine Schuld.”

    Diese Art der Entschuldigung beinhaltet oft das Verschieben der Verantwortung auf andere oder das Suchen nach Ausreden, anstatt den eigenen Fehler anzuerkennen.

  2. Die Bagatellisierungs-Entschuldigung: “Es tut mir leid, wenn du dich davon beleidigt gefühlt hast.”

    Hierbei wird der Schaden heruntergespielt oder die Gefühle des anderen nicht ernst genommen. Es fehlt an echtem Bedauern und Verständnis.

  3. Die Entschuldigung mit Bedingungen: “Es tut mir leid, aber du hättest auch…”

    Diese Art der Entschuldigung ist mit Vorwürfen verbunden oder mit Bedingungen verknüpft, die die Schuld auf den anderen zurückführen oder eine Gegenleistung erwarten.

  4. Die unpersönliche Entschuldigung: “Entschuldigung, wenn jemand verletzt wurde.”

    Hierbei wird die Entschuldigung allgemein gehalten, ohne direkt auf die Person oder den spezifischen Vorfall einzugehen. Es fehlt an Empathie und persönlicher Verantwortungsübernahme.

  5. Die Entschuldigung ohne Änderung: “Es tut mir leid, ich werde es nie wieder tun.” Bis zum nächsten Mal.

    Diese Art der Entschuldigung wird oft wiederholt, ohne dass tatsächliche Veränderungen im Verhalten stattfinden. Es fehlt an Glaubwürdigkeit und der Absicht, aus Fehlern zu lernen.

Eine wahre Entschuldigung fördert Vertrauen, Respekt und Verständnis zwischen den Beteiligten. - Saskia John

Fazit

Eine aufrichtige Entschuldigung besteht aus 5 Elementen: Einsicht, Reue, Entschuldigung, Verantwortungsübernahme und der Absicht, sich zu ändern. 

Sie ermöglicht nicht nur eine Wiedergutmachung, sondern fördert auch Vertrauen und Respekt zwischen den Beteiligten sowie Frieden in den Beziehungen. 

Letztendlich ist die Fähigkeit, aufrichtig um Verzeihung zu bitten, von unschätzbarem Wert für den zwischenmenschlichen Frieden und darüber hinaus.

Sieh dir ergänzend zum Beitrag gerne noch mein Video Kunst und Bedeutung einer wahrhaftigen Entschuldigung an:

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Saskia John

Über die Autorin:

Saskia John wurde in der ehemaligen DDR geboren und studierte dort Veterinärmedizin. Nach der Wende absolvierte sie eine Ausbildung zur Heilpraktikerin. Seit 1994 arbeitet sie in ihrer eigenen Praxis. Sie unterstützt Menschen auf ihrem persönlichen Weg zu Heilung und spirituellem Wachstum.
Dabei greift sie auf langjährige Erfahrung in der Trauma Heilung, Inneren-Kind-Arbeit und in der Begleitung von Dunkelretreat-Prozessen zurück. Ihre Arbeit ist geprägt von Reisen nach China und Japan, die sie mit fernöstlichen Heilmethoden in Berührung kommen lassen.
Das Dunkelretreat ist ihr Herzens- und Forschungsprojekt. Sie selbst verbrachte insgesamt 62 Tage in absoluter Dunkelheit. „26 Tage Dunkelheit – Ein Bewusstseins-Experiment“ ist ihr zweites Buch.

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