Einführung
Die Vorstellung, Zeit in einem vollkommen dunklen Raum zu verbringen, weckt bei vielen Menschen sofort die Furcht, eingesperrt zu sein.
Basierend auf meinen langjährigen Erfahrungen als Begleiterin von Dunkelretreats möchte ich in diesem Blogbeitrag aufzeigen, welche tiefverwurzelten Ängste sich oftmals hinter der vermeintlichen Angst vor dem Dunkelretreat verbergen.
Häufige Reaktionen – Neugier versus Abwehr
In meinem Alltag begegne ich immer wieder ähnlichen Reaktionen, wenn ich Menschen erzähle, dass ich Dunkelretreats anbiete und begleite.
Ein Teil meiner Gesprächspartner zeigt sich offen, neugierig und fröhlich. Diese Menschen wollen alles darüber wissen und sind gespannt darauf, mehr über die Dunkelretreats zu erfahren.
Auf der anderen Seite zeigen die Menschen jedoch doch eine entgegengesetzte Reaktion. Sie haben Angst und fühlen sich bedroht, wenn sie an die Dunkelheit denken.
Sobald ich näher auf diese Angst eingehe und erkläre, dass der Dunkelraum nicht abgeschlossen ist und auch jederzeit bei Bedarf verlassen werden kann, zeigt sich, dass diese Personen keine Angst vor der Dunkelheit, sondern vor dem Eingesperrt-Sein haben.
Durch genaues Hinterfragen der Angst stellte sich bisher immer heraus, dass die Assoziationen, die durch die einfache Erwähnung des Dunkelretreats entstehen, auf traumatischen Kindheitserlebnissen und daraus resultierenden Ängsten basierten.
Die Angst vor dem Dunkelretreat verstehen
Kindheitstraumata
Die Angst vor der Dunkelheit ist oft zurückzuführen auf Kindheitstraumata. Es gibt die unterschiedlichsten Anzeichen, die die kindliche Angst widerspiegeln, wie beispielsweise:
- Das Licht im Kinderzimmer muss immer brennen und die Tür offen bleiben;
- Als älteres Kind nicht allein schlafen können; die Mutter (Vater) muss beim Einschlafen immer dabei sein oder sogar die ganze Nacht beim Kind schlafen;
- Verfolgungsträume oder andere Albträume;
- Eingesperrt worden sein in düsteren Räumen, sei es im muffigen Keller oder im Kinderzimmer, sowie
- Erinnerungen an Kriegserlebnisse, verschüttete Personen oder selbst verschüttet worden zu sein.
Angst, die als Kind nicht verarbeitet werden kann, wird vom Kind intuitiv aus Selbstschutzgründen verdrängt. Verdrängte Angst ist jedoch nicht weg, sondern nur ausgelagert, sodass sie nicht mehr (oder deutlich weniger) im Alltagsbewusstsein erscheint.
Unverarbeitete Ängste, ob durch persönliche Erlebnisse oder durch Gehörtes entstanden, lösen, wenn sie getriggert werden, bei der betreffenden Person eine emotionale Abwehrreaktion aus. Diese zeigt sich z. B. als starker Widerstand gegen das Dunkelretreat. Selbst die Möglichkeit dessen wird sofort verworfen. Auch die Option, die Realität im Dunkelraum zu überprüfen, wird vehement abgelehnt, da die tiefsitzende Angst das verhindert.
Die unverarbeiteten Kindheitstraumata stecken tief in unserem Unterbewusstsein, erzeugen Spannungen und sind selbst im Erwachsenenalter präsent, auch wenn sie im Alltag nicht aktiv wahrgenommen werden. Allein die Erwähnung des Dunkelretreats reicht aus, um die Urängste wieder zu aktivieren und auf die Gegenwart zu projizieren.
Die Verstrickung von Vergangenheit und Gegenwart
Wenn die Realität des offenen Dunkelraums und das Gefühl, eingesperrt zu sein, nicht übereinstimmen, ist dies ein Hinweis darauf, dass alte, unverarbeitete Emotionen aus der Vergangenheit wieder auftauchen. Vergangenheit und Gegenwart sind verstrickt, was zu einem angespannten und ängstlichen Leben führen kann.
Die ständige Vermischung von Gegenwart und Vergangenheit endet in einem Teufelskreis der Ängste, der insbesondere dann verstärkt wird, wenn bestimmte Trigger aktiviert werden. Es ist von entscheidender Bedeutung zu erkennen, dass diese Ängste auf Vorstellungen und Erinnerungen basieren und nichts mit der tatsächlichen Realität zu tun haben und somit auch keine direkte Angst vor dem Dunkelretreat selbst vorherrscht.
Vererbte Ängste: Generationenübergreifende Auswirkungen
Die Auswirkungen von unverarbeiteten Ängsten beschränken sich nicht immer nur auf das individuelle Erleben, sondern können weit über Generationen hinausreichen.
Gefühle sind Energie. Und Energie, beispielsweise die Angst, verschwindet nicht einfach. Durch die Verdrängung der Angst wird diese Energie lediglich in das persönliche und kollektive Unterbewusstsein verlagert. Sie manifestiert sich erneut in den nachfolgenden Generationen, wenn sie nicht aktiv verarbeitet wird.
In Gesprächen mit meinen Klienten wird immer wieder deutlich, dass das eigentliche Problem nicht die Angst vor dem Dunkelretreat selbst ist, sondern die tiefe Angst vor einer überwältigenden Panik, die bewusst vermieden wird. Die Bereitschaft, sich diesen Ängsten zu stellen, ist daher ein entscheidender Schritt für die Auflösung dieses belastenden Erbes und die Schaffung eines befreiten Lebenswegs.
Dunkelretreat: Ein freiwilliger Rückzug
Ein Aufenthalt im Dunkelraum gleicht keinesfalls einem Gefängnisaufenthalt, bei dem man gegen seinen Willen eingesperrt ist. Bei einem Dunkelretreat handelt es sich um einen freiwilligen Rückzug in einen vollkommen dunklen Raum. Der mit dem Aufenthalt verbundene Dunkelprozess wird von mir täglich begleitet. Die Tür des Dunkelraumes ist nicht verschlossen; bei Bedarf ist ein Verlassen jederzeit möglich.
Die Diskrepanz zwischen der Realität und der Angst, eingesperrt zu sein, weist auf unverarbeitete Erlebnisse aus der Vergangenheit hin, die wieder an die Oberfläche gelangen und nun auf die aktuelle Situation übertragen werden.
Der Dunkelraum bietet somit eine hervorragende Chance, sich innerlich zu befreien und unverdaute Gefühle aus der Vergangenheit, wie beispielsweise die Angst, zu transformieren.
Am Ende des Artikels verlinke ich noch einige hilfreiche Videos zum Dunkelretreat, die die Abläufe genauestens erläutern.
Auch meine Bücher können dir als hilfreiche Wegbegleiter dienen, wenn du dir noch unsicher bist. Die wundervollen Erfahrungen meiner eigenen Aufenthalte in vollkommener Dunkelheit findest du dort ausführlich niedergeschrieben.
Fazit – Das Dunkelretreat als Chance
Die Angst vor dem Dunkelretreat ist sehr verständlich, doch meistens unbegründet. Es stellte sich bisher immer heraus, dass die eigentliche Herausforderung nicht in der Dunkelheit liegt, sondern in den unverarbeiteten Ängsten aus der Vergangenheit.
Das Dunkelretreat bietet die Chance, unseren Urängsten zu begegnen und die Verstrickung von Vergangenheit und Gegenwart zu lösen.
Diese transformative Erfahrung ermöglicht nicht nur persönliche Befreiung, sondern verhindert auch die Weitergabe von Trauma an nachfolgende Generationen.
Das Dunkelretreat wird somit zu einer Reise der inneren Befreiung. Es führt zu mehr Präsenz, Klarheit, bedingungsloser Liebe, Güte und innerer Wahrhaftigkeit. Alles höhere Werte, die uns Menschen in unserem innersten Kern ausmachen.
Wenn du auch noch Angst vor dem Dunkelretreat verspürst oder noch unschlüssig bist, ob ein -Dunkelretreat für dich in Frage kommt, kannst du dir gerne vertiefend mein YouTube-Video zum aktuellen Beitrag ansehen:
DUNKELRETREAT für Anfänger: Mit der „EINGESPERRT-SEIN-Assoziation“ aufräumen
Weitere hilfreiche Videos und Beiträge zum Thema:
Was ist eigentlich ein DUNKELRETREAT? – Zusammenfassung
DUNKELRETREAT für Anfänger: Vorteile, Ablauf und Umgang mit HERAUSFORDERUNGEN | Teil 1
DUNKELRETREAT für Anfänger: Die VORBEREITUNG für deine Reise ins INNERE | Teil 2
Dunkelretreat: Wieso hab ich so Angst? EISBERG Sepp Klein Podcast
Wie du dich selbst heilen kannst im Dunkelretreat Ananda Yoga Podcast
Dunkelretreat: 62 Tage völliger Rückzug in die Dunkelheit. Über Lichterfahrungen, Schattenarbeit und den Inneren Weg Podcast mit Juliane Steffen
Selbsterfahrung im Dunkelretreat – DAEMBE Online Kongress April 2019, Interview mit Dr. med. Folker Meissner